Das Berliner Festival XJazz hat sich seit seiner Premiere vor sieben Jahren als absolutes Musik-Highlight etablieren können. Jedes Jahr bringt das Indoor-Festival in Kreuzberg die enorme Vielfalt des Jazz auf die Bühnen, dabei wird munter mit den Genres Elektro, Klassik und Indie experimentiert.

Im Mai sollten eigentlich an fünf Tagen wieder über 70 Konzerte in Clubs, Bars und Kirchen in Berlin Kreuzberg stattfinden. Covid-19 machte den XJAZZ-Machern einen Strich durch die Rechnung. Einige Programmpunkte, darunter viele Konzerte und einige Panels gibt es via Livestream im Internet am 29. und 30. April beim „XJAZZ Online Festival“ zu sehen. Und, wie Initiator und Geschäftsführer des XJAZZ Festival Florian Burger im Gespräch mit Simone Wendel erzählt, wird schon an der XJAZZ-Ausgabe 2021 gearbeitet. 

Florian, Du bist Initiator und Geschäftsführer des XJAZZ Festival in Berlin. Ihr musstet das Festival, das im Mai mit Stars wie Adam Green und Avishai stattfinden sollte, Corona-bedingt absagen. Kannst du uns erzählen, was das für das Festival, die Künstler*innen und für die XJAZZ-Mitarbeiter*innen ganz konkret bedeutet?

Florian Burger: Es war schon eine extrem harte und traurige Entscheidung unser Festival so kurz vor Beginn absagen zu müssen, mit dem Wissen das die Arbeit unseres Teams über die letzten Monate sozusagen umsonst war. Der Vorverkauf lief bis dahin wahnsinnig gut, einige der Konzerte waren bereits so gut wie ausverkauft. Wir haben das große Glück viele Künstlerinnen und Künstler des Festivals persönlich zu kennen, dadurch können wir die meisten Konzerte ohne viel Aufwand aufs kommende Jahr verlegen. Daran arbeiten wir momentan.

Und für Dich ganz persönlich?

Am meisten vermisse ich momentan die vielen Konzerte, die ich sonst mit Freunden und Kollegen hier in Berlin besucht habe. Auch dass der komplette Festivalsommer ausfällt, ist wirklich sehr schade.

Wenn es Covid-19 nicht gäbe – was würdest du heute eigentlich machen?

Dann wäre ich jetzt in der heißen Phase der Festivalvorbereitung.

Kannst Du kurz beschreiben, wie ein Tag bei Dir stattdessen gerade so aussieht?

Ich arbeite jetzt fast ausschließlich im Homeoffice und kümmere mich um meine 3-jährige Tochter. Das alles unter einen Hut zu bekommen ist nicht so einfach. Mein Beruf hat auch viel mit Kreativität und dem Entwickeln neuer Ideen und Konzepte zu tun, dies in der momentanen Situation mal kurz abzurufen ist nicht einfach.

Wie verändern sich Deine Pläne durch die Krise? 

Wir als XJAZZ planen nun auch einige Events online zu organisieren. Seien es Talks oder Konzerte. Damit wollen wir auch die lokale Jazzszene unterstützen und zu Spenden für die Künstlerinnen und Künstler aufrufen. Infos hierzu findet man auf unserer Website oder in den sozialen Medien. Außerdem fokussieren wir uns auf die Organisation unseres Festivals im nächsten Jahr. 

Die Krise ist immer auch ein Motor von Kreativität gewesen. Kannst du Corona irgendetwas Positives abgewinnen?

Ja, die Solidarität innerhalb der Musikszene ist schon enorm, wie ich finde. Jeder versucht jeden zu unterstützen. Es haben sich viele tolle Projekte entwickelt.

Hast du einen Kulturtipp (Buch, Film oder Serie) für die Zeit der Ausgangssperre?

Momentan schaue ich die neunte Staffel von „Curb your Enthusiasm“. Ist zwar schon etwas älter, aber sehr zu empfehlen.

Welche Musik hilft Dir gegen den Wohnungskoller?

Platten von We Jazz Records. Einem Boutiquelabel aus Helsinki.

Was ist das erste, das Du tun wirst, wenn dieser Irrsinn vorbei ist und wir wieder rausdürfen?

Italienurlaub!

Interview: Simone Wendel